Faktencheck OB-Wahlen des Akteursnetzwerks Leipziger Bahnhof

Das Akteursnetzwerk hat auf seinen OB-Faktencheck leider nur von zwei der sechs angefragten OB-Kandidierenden Antworten erhalten.

Entwicklung des Areals um den Alten Leipziger Bahnhof

Aufgrund seiner Lage und Größe, seiner Charakteristik und der gewachsenen informellen Nutzung, besitzen das Areal des Alten Leipziger Bahnhofs und sein Umfeld das nötige Potenzial für eine zukunftsweisende, am Gemeinwohl orientierte, partizipative und klimaneutrale Stadtentwicklung.   

Die Historie des Ortes als erster deutscher Fernbahnhof sowie als Ort der Deportation von jüdischen Menschen in die Vernichtungslager der NS-Diktatur verleihen dem ALB eine besondere technikgeschichtliche wie erinnerungskulturelle Dimension.

Das heute stark durchgrünte Areal, dessen gewachsene informelle Nutzungsaktivitäten durch junge Leute sowie die im Bestand durch Künstler/-innen, Kulturakteure und Gruppen mit alternativen Lebensstilen genutzten Flächen und Gebäude verleihen dem Ort zusätzlich eine besondere Bedeutung als nicht determinierter Frei-Raum und wichtiger Aneignungsort für die Zivilgesellschaft und nicht zuletzt als erholungs- und klimawirksamer Grünraum.

Fragen des AkteursnetzwerksAntworten von Eva JähnigenAntworten von Albrecht Pallas
Wohnen  
1.
Würden Sie als OB Flächen auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofes sichern, um Wohnungsbau der WID, für Genossenschaften und Projekte des gemeinschaftlichen Bauens und Wohnens zu ermöglichen?
Ja, ich möchte als Oberbürgermeisterin soziales und gemeinschaftlich orientiertes Wohnen will ich in die Planungen dieser Flächen integrieren, dazu eng mit bürgerschaftlichen Akteuren zusammenarbeiten und die Flächen dann auch für diese Nutzungen sichern. Ein weiteres, ebenso wichtiges Planungsziel ist für mich die Sicherung und Entwicklung eines Erinnerungsortes an die Dresdner Jüd*innen im Nationalsozialismus, ggf. verbunden mit weiteren Nutzungen zum Judentum in Dresden (Museum, andere Stätten) – hier gibt es zum Wohnen keinen Konflikt.Bei jedem größeren Quartier wie dem ALB, das in unserer Stadt entstehen wird, werde ich konsequent gemeinwohlorientierte Unternehmen, wie die WiD oder die Dresdner Wohnungsgenossenschaften einbinden. Ziel muss die Schaffung von lebendigen Quartieren mit bezahlbaren Wohnungen sein, die neben Gewerbe auch Räume für Kunst und Kultur, Grün- und Erholungsflächen sowie Gastronomie und Clubs bieten.
2.
Würden Sie ein Quartiersmanagement fördern, um in dem zukünftigen Stadtviertel Nachbarschaft zu organisieren, Konflikte auszugleichen und das Einbringen der Bürger*innen in Belange ihres Wohnumfeldes zu erreichen?  
Quartiersmanagement halte ich generell ein wichtiges Mittel zur Weiter- bzw. Neuentwicklung von Stadtteilen in unserer Stadt; für solche Möglichkeiten will ich die Stadtbezirke stärken. Es kommt für mich auch für die Entwicklung dieses Stadtteil – wenn die Grundlagen der Planung geklärt sind – in Betracht.Grundsätzlich setze ich mich für die Errichtung von Kultur- und Nachbarschaftszentren und die Schaffung eines Stadtteilmanagements in jedem Stadtbezirk ein, beim ALB hoffe ich durch eine partizipative Entwicklung des Quartiers, dass von Anfang an die Nutzer:innen aktiv mitgestalten. Ob ein Quartiersmanagement wirklich notwendig ist, muss in dem vor uns liegenden Entwicklungsprozess geklärt werden.    
Kunst und Kultur  
3.
In Dresden herrscht ein akuter und zunehmender Mangel an bezahlbaren Proben- und Atelierräumen. Aus diesem Grund verlassen viele Künstler, Künstlerinnen und Kreative die Stadt. Durch den Wegzug dieser vor allem jungen Menschen geht der Stadt ein erhebliches kreatives Potenzial verloren.
Frage: Wie wollen Sie diesen Negativtrend stoppen?
Als Oberbürgermeisterin will ich, dass die gesamte Stadtverwaltung Augenmerk auf die Belange von Künstler*innen und Kreativen Menschen legt und mehr Angebote als bisher selbstverwaltete Räume zum Gründen, kreativ arbeiten und für Nachhaltigkeitsinitiativen (z. B. Initiativen zur Wiederverwertung von Material oder Repair-Initiativen) ermöglicht. Hierzu ist das Gelände des alten Leipziger Bahnhofes ein besonders geeigneter Ort und sollte eine Mitnutzung dieser Art erfahren.Wenn Dresden für Kulturschaffende und junge Menschen spannend bleiben soll, wenn Kreative sich hier eine Existenz aufbauen sollen, dann braucht diese Stadt kulturelle Freiräume und einen innovativen Geist in der Stadtspitze, der auch eine freie, lebendige, selbstbewusste und international wirksame Szene unterstützt.Ich werde mich dafür einsetzen, dass konkrete Flächen, u.a. auf dem Alten Leipziger Bahnhof oder im Industriegebiet Albertstadt, durch die Stadt für kreative Freiräume (gut erreichbare und ausgestattete Ateliers, Proberäume, Co-Kreativräume, Raum für Gründungen und Start-Ups) zur Verfügung gestellt werden
4.
Wenn Sie OB von Dresden werden, unterstützen Sie den Erhalt und die Weiterentwicklung der gewachsenen künstlerischen und kulturellen Nutzungen auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs?
Frage: Wenn ja, mit welchen Maßnahmen?  
Als Oberbürgermeisterin werde ich dafür eintreten, dass die derzeitigen Nutzer*innen in die Weiterentwicklung ebenso einbezogen werden wie andere Initiativen, die in der Stadt Räume für kreative und kulturelle Projekte suchen. Vorhandene Strukturen und Nutzungen sollten wir nach Möglichkeit sichern.Mein Ziel für den ALB ist es, dass hier ein durchmischtes und lebendiges Quartier mit bezahlbaren Wohnungen entsteht, welches neben kleinteiligem Gewerbe auch Raum für Kunst und Kultur, Grün- und Erholungsflächen sowie Gastronomie und Clubs bietet. Für die künstlerische und kulturelle Nutzung am ALB brauchen wir geförderte Räume, die auch für nichtkommerzielle Kulturschaffende und Kreative bezahlbar sind.
Grün- und Freiraum  
5.
Wenn Sie OB von Dresden werden, unterstützen Sie den Erhalt des vorhandenen Baumbestands und der gewachsenen Grün- und Freiraumstrukturen sowie sowie der derzeit vor allem durch Kinder und Jugendliche genutzten Grün- und Freiraumstrukturen und deren Weiterentwicklung zu großen zusammenhängenden, klima- und erholungswirksamen Grün- und Freiräumen?
Wenn ja, mit welchen Maßnahmen?          
Für die Grünräume muss jetzt eine Bestandsaufnahme erfolgen; sie sollen möglichst erhalten und ggf. mit Ausgleichsmaßnahmen so weiterentwickelt werden, dass sie der Klimawandelanpassung und der Biodiversität dienen. Dazu können sie entweder von der Stadtverwaltung selbst naturnah gepflegt oder einem interessierten Verein (z. B. einem Naturschutzverband) zur Pflege übergeben werden.Bei der Entwicklung des Quartiers muss so viel wie möglich des vorhandenen Grüns erhalten werden. Wir brauchen die Freihaltung von Frischluftachsen von Bebauung und ein Netz aus verbundenen Grünflächen durch die Stadt, daher unterstütze ich das Leitbild der „Kompakten Stadt im ökologischen Netz“.
Kinder und Jugendliche  
6.
Laut sächsischer Gemeindeordnung müssen Kinder und Jugendliche an allen Vorhaben und Planungen der Kommune in angemessener Weise beteiligt werden.
Frage: Wie gedenken Sie, diesen Paragrafen bei der städtebaulichen Entwicklung des Alten Leipziger Bahnhofs umzusetzen?
Angesichts der vorhandenen Nutzung von Kindern und Jugendlichen in diesem Freiraum halte ich ihre Beteiligung durch eine aufsuchende Beteiligung vor Ort für unabdingbar und werde sie als Oberbürgermeisterin in Abstimmung mit der Beauftragen für Kinder und Jugendliche gestalten.Wir brauchen bei der Planung der zukünftigen Entwicklung unserer Stadt eine stärkere Fokussierung auf die konkreten Bedürfnisse und Interessen auch der jungen Menschen (z.B. Platz zum Toben und Spielen, Entdecken und Erleben, Freiräume und eine vitale Clubkultur) in den Stadtteilen sowie eine stärkere Beteiligung der Bürger:innen. Dabei darf es keine Scheinbeteiligung geben, sondern Kinder und Jugendliche müssen mit ihrer Sichtweise wirksam an den Entscheidungen teilhaben können.
7.
Kindern und Jugendlichen fehlt es in zunehmendem Maße an informellen, nicht determinierten und grünen Freiräumen als Spiel- und Aufenthaltsorte mit Möglichkeiten zur Selbstaneignung und zur Selbsterfahrung. Am Alten Leipziger Bahnhof sind entsprechende Flächen großräumig vorhanden und werden von Kindern und Jugendlichen für Spiel, Sport und Aufenthalt genutzt.
Frage: Welchen Stellenwert haben solche Flächen Ihrer Meinung nach künftig – bei der städtebaulichen Entwicklung des Alten Leipziger Bahnhofs und generell?
Als Oberbürgermeisterin halte ich solche Freiräume für sehr wichtig – nicht nur, aber besonders für Kinder und Jugendliche. Daher möchte ich sie in die städtebauliche Planung und dann konkrete Nutzung dieses Gebietes einbeziehen.Freiräume in unserer Stadt bieten Kindern und Jugendlichen den notwendigen Raum für eine freie Entfaltung, sie sind daher zentral für die Entwicklung einer selbstbestimmten Persönlichkeit und müssen daher im Zentrum einer kinder- und jugendfreundlichen Stadtpolitik stehen. Sie sollen einmal sagen können: “Dresden ist meine Heimat, hier kann ich mich entfalten und meine Zukunft aufbauen.
8.
Mit Kunst und Kultur ist in Dresden meist Hochkultur gemeint. 
Frage: Welche soziokulturellen Maßnahmen zur Heranführung von Kindern und Jugendlichen an Kunst und Kultur würden Sie als OB befördern?
Als Oberbürgermeisterin werde ich für einen Kulturbegriff stehen, der sich nicht auf Hochkultur begrenzt. Ich werde darauf achten, dass es ein breites soziokulturelles Angebot der verschiedensten Betätigungsfelder und Kunstsparten in Dresden gibt, mit denen Kinder und Jugendliche selbstbestimmt experimentieren, sich organisieren und Stadt gestalten können.Ich setze mich dafür ein, dass jedes Kind, das in Dresden aufwächst, ein kulturelles Angebot für seinen Lebensweg erhält – in einem Kultur- und Nachbarschaftszentrum direkt in seinem Stadtteil, im Heinrich-Schütz-Konservatorium oder in den Bibliotheken, Theatern und Museen Dresdens. Die freie Kulturszene ist die lebendige Schatzkammer Dresdens, die genauso viel Pflege und Aufmerksamkeit verdient hat, wie das Grüne Gewölbe und daher ebenfalls stärker mit der Kunst-, Kultur- und Bildungsarbeit für und mit Kindern und Jugendlichen in unserer Stadt verbunden werden muss.

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