Wer bestimmt eigentlich, wie wir wohnen?

07. August 2019    Podiumsdiskussion

Wer bestimmt eigentlich, wie wir wohnen? – Akteure im Gespräch
Mittwoch 7. August 2019, 19.00 Uhr
Zentrum für Baukultur Sachsen (ZfBK)
im Kulturpalast Dresden, Erdgeschoss
https://www.zfbk.de/portfolio/wer-bestimmt-eigentlich-wie-wir-wohnen/

–> organisiert von der Bürgerinitiative Wohnen am Leipziger Bahnhof
–>gemeinsam mit der Technischen Universität (TU) Dresden, Fakultät  Architektur, Institut für Städtebau und Raumplanung sowie Institut für Landschaftsarchitektur
–> freundlich unterstützt vom Zentrum für Baukultur Sachsen (ZfBK)

Wie wir „wohnen“, das hängt nicht bloß von der Wohnung selbst ab. Vielmehr wird die Wohnqualität mindestens ebenso stark bestimmt durch den Standort, an dem sich die Wohnung befindet, durch dessen Lage in der Stadt(-landschaft) und durch seine soziale, funktionale und bauliche Struktur: die Nachbarn, Schulen, Verkehrswegenetz und sonstige Versorgungseinrichtungen, Kneipen, Freiraumangebot, kulturelle Aktivitäten und vieles mehr.  Dies alles ist zu berücksichtigen, wenn neue Stadtteile entwickelt werden.

Aber:
Wer hat Einfluss darauf?
Ist der „Normalbürger“ finsteren Kräften hilflos ausgeliefert?

Auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs und angrenzenden Brachflächen bietet sich der Stadt Dresden aktuell die seltene Chance, ein Quartier mit besonderen Qualitäten zu entwickeln: teils für wirtschaftliche und kulturelle Zwecke, teils zum Wohnen. Da ist es angebracht, über Entscheidungsprozesse in der Stadtteilentwicklung nachzudenken und zu sprechen. Die Podiumsdiskussion soll die  Komplexität dieser Prozesse wenigstens ansatzweise erkennbar machen.

Es geht dabei um Prozesse, die allgemein bei der Entwicklung von Quartieren von Bedeutung sind. Es geht also nicht nur um den Fall Leipziger Vorstadt. Dieser Fall bietet aber eine faszinierendes Anschauungsbeispiel und den willkommenen Anlass für den Gedanken- und Erfahrungsaustausch, zu dem nicht nur die Teilnehmer auf dem Podium, sondern  alle Gäste des Abends herzlich eingeladen sind!

Folgenden Fragen wollen wir an diesem Abend nachgehen:

  • Mit welchen Mitteln kann eine Stadt – das heißt: die Stadtverwaltung im Auftrag des Stadtrats – Wohnstandorte schaffen oder beeinflussen?
  • Wie – mit welchen Instrumenten – entwickeln Investoren aus einer potentiellen Baufläche ein „Projekt“, also ein Bauvorhaben mit einem bestimmten wirtschaftlichen, städtebaulichen und architektonischen Konzept?
  • Wie können Bürger und Bürgerinnen auf Ziele und einzelne Schritte der Stadtentwicklung Einfluss nehmen?
  • Wie lassen sich Akteure und Betroffene in einem Prozess des Interessenausgleichs zusammenführen?

Auf dem Podium diskutieren:

  • Manuel Bäumler, TU Dresden, Fakultät Architektur, Institut für Städtebau und Raumplanung
  • Thomas Cromm, REVITALIS REAL ESTATE AG, Hamburg
  • Fritjof Mothes, StadtLabor, Leipzig
  • Anja Osiander, Bürgerinitiativen „Hufewiesen“ und „Wohnen am Leipziger Bahnhof“, Dresden

Moderation: Prof. Irene Lohaus, Technische Universität (TU) Dresden, Fakultät Architektur, Institut für Landschaftsarchitektur

Wir freuen uns auf Sie!

Ausstellung

Inspirationsort. Alter Leipziger Bahnhof Dresden – Was wäre, wenn …?

Ausstellung im Zentrum für Baukultur Sachsen im Dresdner Kulturpalast:
https://www.zfbk.de/portfolio/inspirationsort-alter-leipziger-bahnhof-dresden/

Neue Blicke auf einen alten Ort. Studentische Ideen und Entwürfe für eine Potenzialfläche inmitten von Dresden. Die Chance, einen Ort mit besonderen Qualitäten als Wohnstandort und Viertel mit weiteren wirtschaftlichen und kulturellen Funktionen zu initiieren, bietet sich zurzeit auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs und angrenzenden Brachflächen in Dresden. Von dieser „Spielwiese“ inspiriert, entwickelten Studentinnen und Studenten der Architektur und der Landschaftsarchitektur Ideen und Entwürfe, die in der Ausstellung „Inspirationsort. Alter Leipziger Bahnhof Dresden. Was wäre wenn…?“ auszugsweise vorgestellt werden. Im Vordergrund steht dabei, welche räumlichen Situationen durch die Anordnung von Grünflächen und Gebäuden geschaffen werden können.

25. Juli 2019  bis 17. August 2019  

Ausstellung: Prof. Manuel Bäumler, Technische Universität Dresden, Fakultät Architektur, Institut für Städtebau und Regionalplanung

Exponate: Studentinnen und Studenten der Studiengänge Architektur und Landschaftsarchitektur, Technische Universität Dresden, Fakultät Architektur, Institute Städtebau und Regionalplanung, Landschaftsarchitektur, Gebäudelehre, Grundlagen der Gestaltung und Darstellung

Bundesweiter Ideenwettbewerb für den Alten Leipziger Bahnhof

Das Stadtplanungsamt treibt die Entwicklung der Leipziger Vorstadt einschließlich des Alten Leipziger Bahnhofs weiter voran  – weg von der Idee eines überdimensionierten Einzelhandels mit 1000 Parkplätzen. Als Partner dafür hat der Baubürgermeister die Johannes-Göderitz-Stiftung in Braunschweig gewonnen.

Das Enturfsgebiet für den Johannes-Göderitz-Wettbewerb 2019 in Dresden. Quelle: Auslobung, Seite 9.

Die Göderitz-Stiftung widmet ihren Städtebaulichen Wettbewerb für Studierende der Architektur in ganz Deutschland in diesem Jahr dem Gebiet des Masterplans für die neue Leipziger Vorstadt, und zwar unter dem Motto „Dresden Commoning“. Dahinter verbirgt sich die Aufgabe, Stadtviertel zu entwerfen, die möglichst viele Anknüpfungspunkte für nachbarschaftliche Netzwerke und für gemeinschaftliches Leben und Arbeiten bieten und auf diese Weise das städtische Gemeinwohl gezielt fördern.

Die Aufgabenstellung ist bewußt visionär angelegt. Es geht nicht nur um bauliche Lösungen; es geht  vor allem darum, über die Verteilung und Verwendung von Ressourcen in der Stadt nachzudenken. Wörtlich heißt es in der Auslobung (S.5):

Das Konzept des ‚commoning‘ (deutsch: Allmende) hat sich in den letzten Jahren auch in den wissenschaftlichen Diskursen von Architektur und Planung etabliert. Es steht für eine kollektive Produktion und Verwaltung von städtischen Ressourcen für und von deren NutzerInnen. Räume der ‘Commons‘ modizieren private und auch öffentliche Räume durch deren Aneignung anhand kontinuierli- cher Gestaltungs- und Regelungsprozesse. Mit diesem Ansatz entstehen überall in der Welt Gemeinschaftsgärten, Tauschläden, Kunstinstallationen und auch gemein- schaftliche Wohn- oder Arbeitsprojekte (CoLiving, CoWorking), nachbarschaftliche Straßeninitiativen, genossenschaftliche Markthallen, lokale Wasserkreislaufsysteme und viele weitere Orte der Koproduktion. Sie eröffnen neue soziale, ökonomische und politische Debatten, die nach Antworten auf zeitgenössische Herausforderungen für Stadtplanung suchen. Wie kann ein neues Quartier Raum für commoning anbieten?

Und weiter (S. 21):

Auf Basis einer Analyse lokaler Ressourcen und Akteure werden gemeinwohlorientierte Zukunftsszenarien für die bestehenden und zukünftigen Dresdenerinnen und Dresdener erwartet. Dabei soll neben dem Wettbewerbsgebiet explizit die Gesamtstadt betrachtet werden. Am rechten Elbufer unterhalb der Marienbrücke bieten der Alte Leipziger Bahnhof sowie der Neustädter Hafen mit der umliegenden Leipziger Vorstadt eine aufmerksamkeits- und geschichtsge- ladene Kulisse, um kollektive Formen des Wohnens, Arbeitens, Lernens und der Kultur auf Grundlage gegenwärtiger Ressourcen der Stadtproduktion vorzuschlagen. Die bereits fortgeschrittenen Planungen zwischen Elbe und Leipziger Straße sind kritisch zu hinterfragen und in die eigene Entwurfsarbeit einzuordnen. Alternative Konzepte sollten eine vergleichbare oder höhere Anzahl an Wohnungen anbieten.

Das Konzept für den Wettbewerb ist an der Technischen Universität Berlin entwickelt worden. Sechs weitere Architekturfakultäten beteiligen sich an dem Wettbewerb. Die studentischen Arbeitsgruppen waren im April in Dresden und entwickeln nun an ihren Universitäten bis zum 1. Oktober ihre Vorschläge. Im vierten Quartal 2019 sollen der Wettbewerb entschieden und die Arbeiten in Dresden ausgestellt werden.

Pressemitteilung der Stadtverwaltung vom 23. Mai 2019

Informationen der Johannes-Göderitz-Stiftung zum Wettbewerb

Volltext der Auslobung als pdf (sehr lesenswert!)

Stadtratswahl 2019: Die Kandidierenden und der Alte Leipziger Bahnhof

26. Mai 2019. Die Dresdnerinnen und Dresdner wählen einen neuen Stadtrat. Sie bestimmen damit auch über die Zukunft des Alten Leipziger Bahnhofs.

Wird der Beschluß zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans zugunsten der GLOBUS Handelsgesellschaft aufgehoben? Wird der Masterplan ohne GLOBUS vorangetrieben werden? Wie stark – und wie geschickt  –  wird die Stadtgesellschaft, vertreten durch die  Bürgermeister und den Rat, von ihrer Gestaltungshoheit Gebrauch machen?

Das haben wir uns gefragt, und das haben wir auch die Menschen gefragt, die in den  Wahlkreisen  02 (Neustadt) oder 03 (Pieschen) für den Stadtrat kandidieren. (Wir haben es den Parteien überlassen, den jeweiligen Kandidaten zu benennen.)

Konkret lauteten unsere Fragen:

  1. Was ist Ihnen am wichtigsten an der künftigen Entwicklung des Alten Leipziger Bahnhofs und der angrenzenden neuen Quartiere bis zum Puschkinplatz?
  2. Wie stehen Sie zu einer Bürgerbeteiligung zur Entwicklung der Leipziger Vorstadt?
  3. Wie würden Sie die weitere Entwicklung unterstützen? Welche Rolle sehen Sie für sich persönlich und für den Stadtrat dabei?

Fünf Kandidierende haben sich dazu geäußert (in der Reihenfolge des Posteingangs):
Veit Böhm (CDU), Pia Barkow (LINKE), Martin Schulte-Wissermann (PIRATEN), Kati Bischoffberger (GRÜNE) und Stefan Engel (SPD).
In der Galerie sind die offiziellen Porträts der Parteien zum aktuellen Wahlkampf zu sehen.

Hier die Antworten im Wortlaut:

Veit Böhm

  1. Mir ist zunächst sehr wichtig, dass mit Globus eine einvernehmliche Lösung für einen anderen Standort und für die Entwicklung der Flächen am alten Leipziger Bahnhof gefunden wird (und auch mit den anderen Grundstückseigentümern). Andernfalls wird es auf absehbare Zeit keine Entwicklung an diesem Standort geben. Weiterhin, dass im Zuge einer Standortentwicklung auch eine Lösung für die Sanierung und sinnvolle zukünftige Nutzung des alten Leipziger Bahnhofs gefunden wird.
  2. Von der Verwaltung ist eine umfangreiche Bürgerbeteiligung (analog Königsufer) angedacht. Ich finde das ist ein guter Ansatz für eine Bürgerbeteiligung. Weiteres wird sich im Verfahren ergeben.
  3. Zur Ehrlichkeit gehört, dass der Stadt Dresden die Flächen nicht gehören und somit Politik nur eine moderierende Rolle übernehmen kann. Dabei möchte ich gern weiter unterstützen. Enteignungen in der ein oder anderen Form lehne ich ab. Zumal gegen den Willen der Grundstückseigentümer kaum eine kurz- und mittelfristige Standortentwicklung möglich ist.

Pia Barkow

  1.   Das Quartier als Ganzes soll zu einem lebendigen Stadtquartier entwickelt werden mit einer Mischung aus Wohnen, Kultur und Kreativräumen. Dabei soll der Alte Leipziger Bahnhof als Technisches Denkmal und Gedenkstätte integriert werden.
  2.   Eine umfassende und vor allem frühzeitige Bürgerbeteiligung ist mir sehr wichtig. Die Menschen vor Ort und vor allem diejenigen, die aktuell auf dem Gebiet aktiv sind – z. B. im Künstlerhaus, auf dem Wagenplatz, in der Blauen Fabrik – sollen in die Entwicklung des Gebietes von Anfang an einbezogen werden.
  3.   Als Linksfraktion haben wir in den vergangenen fünf Jahren mehrere Anträge eingereicht, die genau diese Entwicklung des Areals zum Ziel hatten. Auch in der kommenden Wahlperiode wollen wir als LINKE den Prozess voran treiben und aktiv begleiten.

Martin Schulte-Wissermann

  1.   Das Areal um den Leipziger Bahnhof ist riesig! Daher ist es wichtig zu erkennen, dass hier ein Pieschen und die Neustadt verbindendes Stadtviertel neu entstehen wird. Ein Stadtviertel braucht mehr als nur Häuser. Es braucht ein Zentrum mit kleinen Geschäften und Cafes, es braucht eine gute Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeitnutzung – und schließlich braucht es auch Grün und eine gute, fußläufige Durchwegbarkeit. Hier kann „die Stadt der kurzen Wege“ Realität werden [https://www.piraten-dresden.de/themen/wahlprogramm/#Stadt_der_kurzen_Wege-Walkable_City].
  2.   Bürgerbeteiligung kann bei der Planung des neuen Stadtteils nicht nur aus einer klassischen Einwohnerversammlung bestehen. Auch sollte weder die Stadt noch ein Investor allein die Planungen betreiben. Wir brauchen vielmehr einen partizipativen Ansatz, der alle Akteure von Anfang an mit in die Planungen einbindet [https://www.piraten-dresden.de/themen/wahlprogramm/#Partizipativer_Ansatz_bei_der_Stadtraumentwicklung ]. Alle zusammen – die Stadt, Investoren, Vereine und Initiativen vor Ort, Genossenschaften, Bauherrengemeinschaften … jeder, der eine konkrete Vision für den Stadtteil hat, muss bei den Planungen aktiv beteiligt und berücksichtigt werden. Es geht ja nicht darum, „irgendetwas“ zu bauen – es geht darum, dass der neue Stadtteil später auch funktioniert und mit Leben gefüllt wird.
  3.   Ich werde bis zum Umfallen dafür kämpfen, dass das Areal um den Leipziger Bahnhof nicht für einen Investor für einen Hypermarkt oder gar für Industrie geopfert wird. Wir brauchen hier soziales Wohnen in einem schönen neuen Stadtteil. Der Stadtrat muss hier selbstbewusst und aktiv handeln. Der jetzige Bebauungsplan für Globus ist aufzuheben und ein neuer Bebauungsplan für ein Stadtviertel ist zu entwickeln. So kann die Vision der PIRATEN Wirklichkeit werden, ein neues und dringend gebrauchtes Wohn- und Lebensquartier zu schaffen [https://www.piraten-dresden.de/themen/wahlprogramm/#Zielvorgaben_fuer_Bebauungsplan_Leipziger_Vorstadt].

Kati Bischoffberger

  1.   Das Gebiet um den Alten Leipziger Bahnhof muss etwas Besseres werden als ein großes Einkaufscenter mit Megabetonwüstenparkplatz!   Gemeinwohl geht vor privatem Interesse an Profitmaximierung!   Das Gebiet vom Puschkin Platz bis zum Alten Leipziger Bahnhof ist ein Juwel, wie es Frau Dr. Brombacher, die Sprecherin der Bürgerinitiative so schön formulierte!   Ja, es ist ein Edelstein, ein noch unentwickeltes Gebiet voller Potentiale, zentrumsnah, elbnah, verkehrlich bestens angebunden! Es ist die Chance, mal wirklich ein richtig schönes neues lebendiges, quirliges Stadtviertel entstehen zu lassen.
  2.   Bürgerbeteiligung unbedingt! Stadtentwicklung sollte immer gemeinsam mit den Dresdnerinnen und Dresdnern passieren! Wir wünschen uns verantwortungsbewusste Bürger*innen, also muss es auch die Möglichkeit geben, Verantwortung zu übernehmen!   Ich habe die Vision eines moderierten Beteiligungsprozesses mit einem mehrstufigen Wettbewerbsverfahren: Raum für sprudelnde Ideen! Ein buntes Stadtquartier lebt von Grün, von Cafés, von Kultur, von vielem mehr, vor allem aber von einem gemeinschaftlichen Miteinander. Um dies zu erzeugen, ist es völlig logisch, dass man schon bei den Planungen im Miteinander anfangen muss!
  3.   Wie? Mit meinem ganzem Herzen! Vor allem gemeinsam mit Dresdner*innen die Lust haben, das neue Quartier mit zu gestalten. Selbstverständlich gehören dazu die Grundeigentümer, Experten der Stadtplanung, Entscheidungsträger aus der Politik und alle, die eine Beziehung zu dem Gebiet haben oder dort leben möchten  – eben alle die wichtig sind! Ich setze mich seit 7 Jahren (zuerst als Ortsbeirätin, seit 5 Jahren als Stadträtin) aktiv für eine lebenswerte Zukunft des Areals ein und werde alle mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpfen – für ein neues grünes Stadtquartier, das Pieschen mit dem Stadtzentrum auf schönste Weise verbindet.

Stefan Engel

  1. Mein Ziel ist die Schaffung eines wirklich durchmischten und lebendigen Stadtteils, der Pieschen und die Neustadt gelungen verbindet. Dazu gehören für mich vor allem bezahlbare Wohnungen, Raum für kulturelle Nutzungen, Grünflächen und kleinteiliger Einzelhandel. Aber auch die wechselhafte Geschichte des Ortes muss sichtbarer Teil einer neuen Nutzung sein.
    Damit dieser Wunsch gelingt, muss kurzfristig eine Lösung für das Areal am Alten Leipziger Bahnhof her. Die SPD hat daher zusammen mit den Grünen erneut die Initiative gestartet, den alten Bebauungsplan aufzuheben. Ein riesiger Einkaufsmarkt erzeugt wahnsinnig viel Verkehr und bedroht auch den gewachsenen Einzelhandel in Pieschen und der Neustadt. Ein Ersatzstandort für Globus an anderer Stelle in Dresden wäre ein Kompromiss, der zwar schmerzhaft ist, aber Teil einer einvernehmlichen Lösung sein könnte. Damit die Stadt wirklich wirksam Einfluss auf die Entwicklung in der Leipziger Vorstadt nehmen kann, sollte ein teilweiser Flächenkauf durch die öffentliche Hand geprüft werden.
  2. Eine frühzeitige Bürgerbeteiligung ist für mich bei der weiteren Entwicklung unverzichtbar. Politische Entscheidungsträger, Stadtverwaltung, interessierte Bürger, Flächeneigentümer, derzeitige Nutzer und Initiativen müssen an einen Tisch. Die vielen unterschiedlichen Ideen müssen vor einer detaillierten Planung grundsätzlich zusammen diskutiert werden. In weiteren Planungsschritten kann ich mir Modelle wie z.B. Bürgerwerkstätten gut vorstellen, bei denen Interessierte ganz konkret in die Gestaltung von Teilabschnitten einbezogen werden. Das hat beim Grünzug Gehestraße sehr gut funktioniert.
  3. Als Stadtbezirksbeirat in Pieschen und ggf. zukünftiger Stadtrat sehe ich meine Rolle vor allem darin, den weiteren Prozess zu moderieren. Wichtige Ziele und die Interessen der umliegenden Stadtteile dürfen dabei aber nicht in Vergessenheit geraten. Uns bietet sich an dieser Stelle eine deutschlandweit fast einmalige Möglichkeit, in einer sehr zentralen Lage einer Halbmillionenstadt ein ganz neues Stadtquartier zu gestalten. Dabei muss die gerechte und nachhaltige Entwicklung unserer Stadt im Mittelpunkt stehen, nicht in erster Linie die Interessen der Investoren.

Der Kandidat der FDP, Stefan Scharf, hat zwar an unserer Podiumsdiskussion am 26. April 2019 teilgenommen, aber keine schriftlichen Antworten auf unsere Wahlprüfsteine zur Verfügung gestellt.

Jane’s Walk 2019 am Alten Leipziger Bahnhof

4. Mai 2019. Es goß Bindfäden. Gleich nebenan zog die Tolerade dröhnend auf der Albertstraße vorbei. In allen drei Unterführungen unter dem Bahndamm Richtung Marienbrücke  hallten die Baßrhythmen wider. Vollsperrung, schon seit einer halben Stunde und noch weitere 30 Minuten. Kein Durchkommen. Da würde sowieso niemand kommen zum diesjährigen Stadterkundungsgang auf den Spuren von Jane Jacobs am Alten Leipziger Bahnhof im Rahmen des diesjährigen Jane’s Walk Festival Dresden
Aber dann tauchten doch zehn Unbeirrbare aus dem Grau und dem Lärm auf, und gemeinsam gestalteten wir einen Rundgang, der uns alle überraschte und inspirierte.

Im ersten Teil ging es kurz um die Geschichte des Bahnhofs und dann etwas ausführlicher um die Ideen von Jane Jacobs zur Lebendigkeit und zu den spezifischen Qualitäten von urbanen Räumen. Sie hat diese Idee in bewußter Abgrenzung von der „togetherness“ von Kleinstädten oder Dörfern entwickelt. Sie leitet sie vor allem aus eigener Anschauung ab (heute würde man sagen: durch „teilnehmende Beobachtung“ und „Mikrostudien“), indem sie sanierte und unsanierte Viertel in amerikanischen Großstädten aufsucht und mit den Bewohnern spricht. Sie interessiert sich dabei besonders für das Straßenleben, also das Leben auf den Bürgersteigen und Plätzen und in den Stadtteilparks. Sie zerlegt mit dieser Herangehensweise die Allmachtsphantasien von Stadtplanern, aber sie warnt auch eindringlich vor Romantizismen und gibt praktische Empfehlungen für die Gestaltung dieser öffentlichen Räume.

Der zweite Teil entwickelte sich dann spontan, weil ein Aktiver aus dem Verein Hanse 3 dabei war. Er führte uns durch den Wagenplatz und in die Räume des ehemaligen Verwaltungsgebäudes, wo wir noch lange intensiv diskutierten und bald bei der Grundsatzfrage angelangt waren, wieviel Gestaltungsraum uns die heutigen politischen und immobilienwirtschaftlichen Verhältnisse denn tatsächlich lassen.

Am Schluß stand auf einmal eine Idee im Raum. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Abendessen von Aktiven aus allen Initiativen, die sich derzeit um den Alten Leipziger Bahnhof bemühen?
Also: Hanse 3, Blaue Fabrik, Wagenplatz und Initiative Wohnen am Leipziger Bahnhof.  Mit Pizza  aus dem eigend dafür gemauerten Ofen in der Hanse 3. Und mit langer Tafel entweder im Hof unter der frisch installierten Lichterkette oder, bei schlechtem Wetter, in der Galerie.
Auf daß GLOBUS uns nicht weiter spalte!
Wir hoffen, daß das bald zustandekommt!

Eigentlich war noch einen dritter Teil geplant, nämlich eine Erkundung des Geländes auf eigene Faust anhand eines Lageplans und anhand von vier Leitfragen. Den können alle Interessierten nun auch individuell nachholen. Ladet einfach den Fragebogen mit Lageplan herunter und zieht los!

Ein Teilnehmer unseres Erkundungsgangs hat es vorgemacht. Seine Antworten gibt es hier (als pdf).

Walk with Jane… 2019

Am kommenden Sonnabend, 4. Mai 2019, greifen wir die schöne Erfindung aus dem Vorjahr wieder auf und veranstalten im Rahmen des Jane’s Walk Festival Dresden einen weiteren Spaziergang rund um den Alten Leipziger Bahnhof.  Diesmal werden die Ideen von Jane Jacobs höchstpersönlich Anlaß für Beobachtungen und Reflektionen sein. Sie sind herzlich dazu eingeladen! Wir treffen uns um 15 Uhr am ehemaligen Haupteingang an der Ecke Leipziger Straße/Bahnhofstraße (jetzt Hertz-Autovermietung).

26.4.2019 Eine Zukunft ohne GLOBUS? Podiumsdiskussion mit Stadtratskandidaten

Die Bürgerinitiative Wohnen am Leipziger Bahnhof veranstaltet anlässlich der kommenden Wahl des Dresdner Stadtrats eine Diskussionsveranstaltung mit Kandidaten und Kandidatinnen aus den Wahlkreisen Pieschen und Neustadt zum Thema:

Neue Vielfalt für den [Alten] Leipziger Bahnhof  –  Eine Zukunft ohne Globus-Markt?

Freitag, 26.04.2019, um 19 Uhr
in der Blauen Fabrik (Eisenbahnstraße 1)

Der Beigeordnete für Stadtentwicklung Raoul Schmidt-Lamontain wird zum Auftakt Möglichkeiten zur zukünftigen Entwicklung des Geländes und zu einer Bürgerbeteiligung darstellen.

Es folgt eine Runde mit kurzen Stellungnahmen von Kandidaten und Kandidatinnen für den Stadtrat zu folgenden Fragen:

  • Was ist Ihnen am Wichtigsten an der künftigen Entwicklung des Alten Leipziger Bahnhofs und der angrenzenden neuen Quartiere bis zum Puschkinplatz?
  • Wie stehen Sie zu einer Bürgerbeteiligung zur Entwicklung der Leipziger Vorstadt?
  • Wie würden Sie die weitere Entwicklung unterstützen? Welche Rolle sehen Sie für sich persönlich und für den Stadtrat dabei?

Anschließend wird die Debatte geöffnet für Fragen und Meinungen aus dem Publikum. Wir freuen uns auf einen lebhaften Gedankenaustausch!

Von den für die Kommunalwahl kandidierenden Parteien haben bislang zugesagt:

  • CDU (Vertreter wird noch benannt)
  • SPD mit Stefan Engel (Kandidat Pieschen)
  • Die LINKE  mit Pia Parkow (amtierende Stadträtin und Kandidatin Pieschen)
  • Bündnis 90/Die Grünen mit Kati Bischoffberger (amtierende Stadträtin und Kandidatin Pieschen)
  • Die Piraten mit Dr. Martin Schulte-Wissermann (amtierender Stadtrat und Kandidat Neustadt)
  • FDP mit Stefan Scharf (Kandidat Pieschen)

Moderiert wird der Abend von Dr. Judith Brombacher, Sprecherin der Initiative Wohnen am Leipziger Bahnhof.

Wir bemühen uns darum, im Anschluß an die Podiumsdiskussion noch Gespräche in kleineren Runden bei einem angenehmen Getränk zu ermöglichen.

160 Entwürfe

Das Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs steht im Frühjahr 2019 im Fokus der Aufmerksamkeit von rund 160 Studierenden der TU Dresden.

Im Rahmen der Intensivwochen am Institut für Städtebau und Regionalplanung entwickeln die angehenden Architektinnen und Architekten Entwürfe für „Wunschhäuser“ und Nachbarschaften, erweitern diese Ideen in ein städtebauliches System und formulieren schließlich dazu eine bildliche Vision.

Die Ergebnisse werden am Freitag, 8. März 2019, ab 10 Uhr öffentlich  präsentiert und prämiert. Interessierte sind herzlich willkommen! Wo ? Im Zelleschen Weg 17, BZW B006.

Ausführliche Beschreibung im Netz unter:
https://tu-dresden.de/bu/architektur/istb/stbe/studium/lehrveranstaltungen-1/kleiner-entwurf    (Stand 14. Februar 2019)

Dresden – Alter Leipziger Bahnhof
Grundlagen Städtebau, Prof. Manuel Bäumler, WS 2018/19

Drei Wochen – Drei Phasen
Montag 18.02.2019, 10 Uhr
Einführung AUFGABE 1 : Absicht. Wunschhaus und Nachbarschaften
Freitag 22.02.2019, 10 Uhr
Präsentation der Ergebnisse aus Aufgabe 1
Einführung AUFGABE 2 : Übersetzung. Systeme der Stadt
Freitag 01.03.2019, 10 Uhr
Präsentation der Ergebnisse aus Aufgabe 2
Einführung AUFGABE 3 : Inszenierung. Vermitteln einer Vision
Impulsvortrag „Bilder machen“ von Georg Lindenkreuz
Do. 07.03.2019, 16 Uhr
Räumung BZW B006, Aufbau der Ausstellung
Freitag 08.03.2019, 10 Uhr
Abschlussveranstaltung mit Präsentationen, Gästen und Preisverleihung

 

Kooperative Baulandentwicklung in Dresden

10. Januar 2019 – Pressemitteilung

Die Verwaltung der Landeshauptstadt Dresden hat ein Modell entwickelt, um Verhandlungen mit Investoren über größere Bauvorhaben in der Stadt strukturierter zu führen und um von dem dabei entstehenden Mehrwert auch Belange des Gemeinwohls in der Stadt profitieren zu lassen. Das Modell wurde Ende November 2018 vom Beigeordneten für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften Raoul Schmidt-Lamontain der Öffentlichkeit vorgestellt; das Amtsblatt berichtete darüber in der Ausgabe Nr. 48/2018 vom 29.11.2018 (pdf -> Seite 10). Am 9. Januar 2019 veröffentlichte die Sächsische Zeitung einen Bericht über die Haltung von Vertretern verschiedener Immobilienunternehmen zu diesem Modell (online-Version, kostenpflichtig). Sie äußern darin große Skepsis.

Unsere Initiative dagegen sieht in dem Vorhaben ein dringend benötigtes Instrument, um öffentliche und private Interessen in der Dresdner Stadtentwicklung besser auszugleichen. Dazu haben wir am 10. Januar 2019 eine Pressemitteilung veröffentlicht:

Bürgerinitiative unterstützt Modell der Stadtverwaltung zur kooperativen Baulandentwicklung

Die Bürgerinitiative Wohnen am Leipziger Bahnhof unterstützt das aktuell von der Stadtverwaltung vorgestellte Modell für kooperative Baulandentwicklung. Dieses fordert u.a., bei Bebauungsplänen mit Wohnungen künftig 30 Prozent der Geschossfläche als geförderten mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnungsbau zu entwickeln. Kleinere Bauvorhaben sind davon ausgenommen. Das Ziel des Modells ist, bezahlbaren Wohnraum, Räume für die Kultur- und Kreativwirtschaft sowie von Grünflächen in der sich verdichtenden Stadt zu sichern. „Dieses Vorhaben steht in Einklang mit den Zielen unserer Initiative für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung“, äußert sich Anja Osiander von der Bürgerinitiative.

Den derzeit geäußerten Bedenken von Bauträgern und Investoren, dass diese Forderungen aufgrund stark steigender Grundstückspreise das Bauen in Dresden in Zukunft für sie nicht mehr rentabel mache, entgegnet Erika Schmidt, ebenfalls in der Initiative aktiv:

„Dresden kommt mit diesem Modell den Forderungen des Grundgesetzes nach. Dieses stellt in Artikel 14 klar: ‚Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.’ “

Die Bürgerinitiative sieht die Sicherung des öffentlichen Interesses durch dieses Modell gewahrt.

„Zudem gewährleistet diese Vorgehensweise die gleichen Spielregeln für jeden Bebauungsplan und damit eine Gleichbehandlung aller Investoren.“

Den Bedenken der Bauträger über die ökonomischen Auswirkungen der Vorgaben der Stadtverwaltung hält Judith Brombacher, Sprecherin der Bürgerinitiative entgegen:

„Diese Regelungen sind in Berlin, München, Hamburg und Freiburg eingeführt. Das sind Städte mit Grundstückspreisen, die weit über den Dresdner Verhältnissen liegen. Wenn diese Vorgaben dort ökonomisch nicht zur Unrentabilität führen, ist unter Dresdner Verhältnissen auch nicht damit zu rechnen.“

Ergänzung 17. Januar:
Der politische Kampf darum ist jetzt eingeläutet, weil die Vorlage am Montag (14.1.) offiziell in den Stadtrat eingebracht worden ist. Sie wird überwiegend nichtöffentlich in den Gremien beraten werden und soll am 11. April im Stadtrat zur Abstimmung kommen.
Die Vorlage findet sich im Ratsinformationssystem hier (V2804/18):
http://ratsinfo.dresden.de/vo0050.php?__kvonr=16139

Offener Brief an die CDU-Fraktion im Stadtrat

22.Oktober 2018 

Die Sprecherin der Initiative „Wohnen am Leipziger Bahnhof“, Judith Brombacher, hat mit einem offenen Brief auf eine Pressemitteilung der CDU-Fraktion im Dresdner Stadtrat reagiert. Den Hintergrund für diesen Schlagabtausch bilden die Verhandlungen der Stadt mit dem Unternehmen GLOBUS über einen Ausweichstandort für den geplanten Einzelhandelsmarkt im Großformat (8000 Quadratmeter Verkaufsfläche; mehr als 1000 Parkplätze).

Kurz zur Vorgeschichte:
Nach intensiven Sondierungen zwischen Stadt und Unternehmen über mehrere Monate hinweg hatte die Unternehmensleitung von GLOBUS in St. Wendel bei Saarbrücken am 16. Juli 2018 alle angebotenen Alternativen für unzureichend erklärt. Darüber informierte der zuständige Bürgermeister den Stadtrat in einem Bericht  vom 24. September. Daraufhin veröffentlichte der baupolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Gunter Thiele, eine Pressemitteilung, in der er Investoren davor in Schutz nahm, daß sie gezwungen würden, sich „rot-rot-grünen Wohnungsbauphantasien“ zu beugen. Stattdessen forderte er einen  „anständigen Umgang“ mit Investoren wie GLOBUS. Das veranlaßte Judith Brombacher zu einer leidenschaftlichen Gegenrede in Form eines Leserbriefes an die Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN).

Das Plädoyer von Judith Brombacher wurde in der Wochenendausgabe der DNN vom 6./7. Oktober 2018 an prominenter Stelle in vollem Wortlaut abgedruckt. Gleichzeitig sprachen sich in einer  digitalen Umfrage der Zeitung mehr als 1000 Leserinnen und Leser und damit 68% aller Abstimmenden  dafür aus, keinen GLOBUS-Markt am Alten Leipziger Bahnhof zu errichten. Wir haben diese beiden Dokumente am 18. Oktober an alle Mitglieder der CDU-Fraktion geschickt und eindringlich um ein Gespräch mit Vertretern unserer Initiative gebeten. Wir warten gespannt auf eine Antwort.

Hier können Sie die Details der Kontroverse nachvollziehen:

  • Zwischenbericht des zuständigen Bürgermeisters Raoul Schmidt-Lamontain an den Stadtrat zum Stand der Verhandlungen mit GLOBUS über einen Ausweichstandort (datiert vom 6.9.2018; weitergeleitet an die Stadträte am 24.9.2018)
  • Pressemitteilung der CDU-Fraktion im Dresdner Stadtrat zum Umgang mit GLOBUS  vom 1.10.2018
  • Leserbrief von Judith Brombacher an die DNN zur Pressemitteilung der CDU-Fraktion, veröffentlicht in der Wochenendausgabe vom 6./7.10.2018
    (als Zeitungsseiteals Textdokument)
  • Ergebnisse einer online-Umfrage der DNN zur Entwicklung des Alten Leipziger Bahnhofs (Stand 16.10.2018)
  • Begleitschreiben zur Übergabe des Leserbriefes und der Ergebnisse der DNN-Umfrage an die Mitglieder der CDU-Fraktion im Dresdner Stadtrat, im Fraktionsbüro übergeben am 18.10.2018